Ein Lob der Komfortzone

Camilla/ Februar 4, 2015/ Gleichgewicht

„Raus aus der Komfortzone“ ist ein Spruch, den ich gefühlt ständig in Blogs etc. gelesen habe, wenn es um persönliche Entwicklung und Karriere ging. Und er liegt mir quer, und zwar aus folgedem Grund:

Mit Unsicherheit umgehen können ist sicher eine wichtige Fähigkeit. Über sich hinauswachsen und die eigenen Grenzen erweitern kann mich weiterbringen. Wenn jedoch gar nichts mehr sicher scheint und das Leben nur noch auf Sand gebaut erscheint – dann, würde ich sagen, läuft was falsch.

Ich bin fest überzeugt: Die Komfortzone ist eine Lebensnotwendigkeit. Sie ist eine Zone, wo ich mich sicher fühle, wo die Dinge überschaubar sind und sich größtenteils so anfühlen, als hätten ich die Zügel in der Hand. Eine Zone, wo ich auch einmal regenerieren kann. Die starke, sichere Grundlage, von der ich ausgehen und zu der ich wieder zurückkehren kann.

Meine Komfortzone ist so etwas wie mein Basislager. Von dort aus kann ich Expeditionen unternehmen, mich ins Unbekannte vorwagen, Neues machen – aber wenn ich nur Neues mache und es nicht ins Alte integriere, erreiche ich keine Stabilität, kein nachhaltiges Wachstum. Wenn ich ohne Basislager, ohne Punkt, an den ich zurückkehren kann, ohne Reserven, Ressourcen und Punkte zum Ausruhen in der Wildnis unterwegs bin, dann ist das kein Wachstum, es ist Überlebenskampf und wenn ich mich absichtlich in so eine Situation bringe, ist das schlichte Dummheit. Wenn ich so häufig außerhalb meiner Komfortzone bin, daß ich vergesse, wie sie sich anfühlt, kann das nicht gesund sein. Been there, done that, es hat mir nicht gut getan.

Darum: „Raus aus der Komfortzone“ ist zwar dann und wann eine weise Sache, aber erst mal muß ich eine Komfortzone überhaupt haben und wissen, wo sie ist, bevor ich sie verlassen kann.

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