Notizen übers (digitale) Notieren

Camilla/ Februar 22, 2010/ Kreativität, Tools

Vor einiger Zeit habe ich mich mit Ralf Grabowski auf twitter über Notiz-Tools unterhalten; eine Unterhaltung, die mich auf die Idee brachte, in Artikelform aufzuschreiben, was ich eigentlich zum Notizenmachen verwende. Notizbuch Bild: sxc.hu Warum mache ich eigentlich soviele Notizen? Nicht, weil mein Gedächtnis solche ausgeprägte Ähnlichkeit mit einem Sieb hätte. „You can’t wait for inspiration. You have to go after it with a club“, wird Jack London in den Mund gelegt. Ich meine, man kann der Inspiration auch auflauern, und gute Notizwerkzeuge sind ein probates Mittel dazu.

Ich habe mir schon vor langer Zeit angewöhnt, grundsätzlich gerade Ideen zu notieren, die erst einmal ziemlich blödsinnig, unrealistisch oder krank wirken, denn: ihnen wohnen oft kreative Impulse inne, die ich nutzen kann. Nach Möglichkeit fange ich diese Ideen unmittelbar dann ein, wenn sie kommen. Dann sind sie frisch, unverfälscht und haben ihre kreative Wirksamkeit noch nicht durch langes Zerdenken verloren, und darum ist es wichtig, Notizwerkzeug grundsätzlich griffbereit zu haben – was, zugegeben, in manchen Situationen schlicht unmöglich ist, etwa beim Abwaschen oder unter der Dusche. Was mir auch wichtig ist: gerade weil ich solche ungefilterten Gedanken notiere, sind meine Notizen selbst für die Menschen, denen ich am meisten vertraue, tabu, und nur weil ich niemanden in mein Notizbuch sehen lasse, traue ich mich, ihm vollkommen intime, bruchstückhafte, unausgegorene Ideen anzuvertrauen. Übrigens eine wunderbare Sache, um den inneren Zensor auszutricksen – aber zum Teil Übungssache. Mir will auch scheinen: Je ausgiebiger ich diese Quelle namens „spontane Einfälle“ anzapfe und aus dem, was mir da zufliegt, auch etwas mache, desto ergiebiger ist sie.

Wenn ich gerade keinen Computer in Reichweite habe, sind die Werkzeuge für das Festhalten von Ideen recht einfach: Notizbücher (für Textbruchstücke, Exzerpte und schnell hingeworfene Mindmaps o.ä.) oder mein Hipster PDA (für reine Stichworte oder Aufgaben). Die Hipster-PDA-Karten werden dann in meine Ideenkartei gesteckt, die ich gelegentlich durchsortiere, Aufgaben in mein Produktivitätssystem. Notizbücher gehe ich dann und wann mal durch (ich führe meine Notizen recht chaotisch, wie sie eben kommen) und sehe nach, was ich vielleicht früher schon zu einem Thema, das ich gerade bearbeite, geschrieben habe.

Am Computer vervielfältigen sich die Anwendungen. Wo eine Sache hinkommt, entscheidet ihr Charakter:

  • evernote für Artikelbruchstücke und -einfälle
  • instapaper für Links, die ich interessant finde, aber später noch einmal in Ruhe ansehen will, bei denen ich auch auf den ersten Blick noch nicht weiß, ob ich auf sie immer wieder zurückgreifen will
  • delicious – Für Links, bei denen ich weiß, daß ich sie dauerhaft brauchen kann oder die ich teilen möchte
  • Artikelbruchstücke, die ich gleich genauer ausformuliere, werden in .txt-files festgehalten
  • thinkingrock (bzw. eine Datei namens todo.txt, die später in TR importiert wird) für Aufgaben
  • und den Zettelkasten von Daniel Lüdecke probiere ich gerade für ein privates Projekt als Ideendatenbank.

Für Linux mit GNOME gibt es das Notizprogramm bzw. Desktop-Wiki Tomboy, das ich allerdings noch nicht getestet habe.

Zu diesem Thema ist eventuell auch ein Artikel von Stephan List interessant: Stuff and Capture Tools.

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2 Kommentare

  1. Hi, Evernote hab ich gerade entdeckt und experimentiere noch. In meiner Linksammlung herrscht ständiges Chaos 🙂 Und in den Zettelkasten bin ich regelrecht verliebt. Aber er hat ein ganz entscheidendes Manko: Er funktioniert nur stationär, nicht online. So dass ich jetzt schon Notizen habe, die noch darein übertragen werden müssen. Gnarf. Und dabei ist das Ding sooo gut und schön und übersichtlich. Wirklich ein Jammer.

    schönen Gruß, Nora Amala B. Ps Danke noch für den Tipp mit den Zen …

  2. Ich arbeite online intensiv mit dem Firefox-Browser. Darin nutze ich mehrere Add-Ons: „Read it later“, um mir Links, die ich interessant finde aber gerade nicht weiterverfolgen möchte, aufzubewahren. „Zotero“, um mir Links, Texte oder auch ganze Webseiten dauerhaft zu merken und einzusortieren. „Pencil Sketching“, um mal schnell eine graphisch orientierte Seite zu erstellen. „Quicknote“, um mal schnell eine kurze Notiz zu erfassen und abzulegen.

    Als ideal für alle Notizen hat sich auch eine!) einfacher Textdatei erwiesen. Notiz schreiben, Strich drüber, abspeichern. Und mit der Suche ist alles schnell wieder gefunden. Das Prinzip eignet sich auch prima für Adressen. Als Programm verwende ich „TextPad“.

    Offline geht nichts über mein DIN-A6-Notizbuch. Da finden sich dann alle Ideen und Notizen in chronologischer Reihenfolge wieder. Ich habe davon schon einen ganzen Stapel, in dem ich auch lange zurückliegende Dinge wiederfinde (vorausgesetzt ich weiß, wann das ungefähr war). Geschrieben wird mit einem Parker-Füller. Der läßt sich nämlich zusammenschieben und passt dann auch in die Hosentasche.

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