Selbstversuch: Zurück zu Papier


Seit geraumer Zeit verwende ich digitale Helfer (erst ThinkingRock, dann Remember The Milk), um meine Aufgaben zu verwalten. Ich habe festgestellt, daß es mit einem digitalen System zwar leicht fällt, alles, was einen so anspringt, zu erfassen und zu regeln, daß ich mich aber allzu oft im Tagesgeschäft verliere und die längerfristigen Ziele aus den Augen verliere, mich reaktiv nur mit den Aufgaben beschäftige, die mir so hingeworfen werden, statt aktiv anzugehen, was mir wichtig ist und langfristiges Wachstum bringt. (Mir fällt gerade auf, daß ich keine Aufgabenverwaltungssoftware kenne, die so etwas wie eine Anbindung von täglicher Agenda an langfristige Ziele beherzigt: kenne ich ein solches Programm nur nicht, oder gibt es keins?)
Zudem bin ich kein Mensch, der ununterbrochen einen Computer oder ein internetfähiges Handy in Reichweite hat. Meine fruchtbarsten Momente finden eher statt, wenn die Datenschleuder aus ist und das Handy nicht klingelt, und mit einem Stift in der Hand denke ich meist tiefer, mutiger und kreativer als auf eine Tastatur eintippend.
Darum versuche ich jetzt, einen anachronistischen Weg einzuschlagen: Zurück zum Papier. Ich werde in den nächsten vier Wochen meine Aufgaben mit einem Hipster PDA verwalten, habe mir vorgenommen, die Gewohnheit Nr. 2 aus Zen To Done zu beherzigen, nämlich das Durcharbeiten, und mich zugleich bei der Planung auf drei Hauptaufgaben pro Tag zu beschränken.
Was ich davon erwarte, ist eine Verschiebung des Fokus weg vom „regeln“ und reaktiven Verwalten hin zu klareren persönlichen Prioritäten und aktiverem Angehen von Zielen, sowie eine bessere Verbindung zwischen meinen langfristigen Zielen und täglichen Agenda. Mal sehen, was ich in vier Wochen darüber berichten kann.


10 Antworten zu “Selbstversuch: Zurück zu Papier”

  1. Ich habe es gar nicht erst digital versucht. Mein System besteht aus einem ledernen Filofax mit ein paar Zen To Done-Elementen: Einer Inbox, in der ich kurze Gedanken festhalten kann, die ir dann nicht mehr im Kopf herum spuken und mich ablenken, einem Kalender, in dem ich meine Termine eintrage und einem Teil für langfristige Projekte.

    Der Vorteil des Analogen liegt für mich darin, das es immer und überall funktioniert (z.B. Badewanne) und viel schneller zu bedienen ist.

    Mein digitales Management beschränkt sich vor allem auf zwei Funktionen: einsortieren – falls man es noch mal brauchen wird und, was viel öfter vorkommt, löschen! Ein leerer Posteingang ist eine wundervolle Sache.

  2. Danke für den Tip, Michael! Vielleicht probiere ich das mal aus (wenn ich es denn unter WINE zum Laufen bringe). Definitiv aber nicht in den nächsten Wochen.

    Stadtkind, in puncto Geschwindigkeit kann z.B. RTM durch die an sich sehr nützliche Erfindung namens E-mail-Dropbox mit analogen Systemen durchaus mithalten – was die Ubiquität betrifft, ist Papier auch für mich klar überlegen. Was eben auch ein Grund (unter mehreren) für diesen Selbstversuch ist.

  3. Jaaaa, genau so isses. Selten hat mir ein Blogtext so aus dem Herzen gesprochen. Nachdem ich horrrend viel Zeit vergeudet habe, um mit elektronischen Hilfsmitteln meine Zeit in den Griff zu kriegen, bin ich auch zum Minimalismus zurückgekehrt: Taschenplaner, Notizbuch und drei „Big Points“ pro Tag und 3 „Bigger Points“ pro Woche. Was ich aber immer noch nicht gehändelt kriege sind „Geistesblitze“. Ich hab mir angewöhnt beim Schreiben meiner Diss zumindest immer alle „Geistesblitze“ in EverNote zu packen. Dort gehen sie im Gegensatz zu meiner Zettelwirtschaft wenigstens nicht verloren, und: bei jedem „Geistesblitz“ freu ich mich, dass mir derselbe Einfall wohl schon vor ein paar Wochen mal kam…
    Ich bin gespannt auf den Erfahrungsbericht in ein paar Wochen.

  4. Geistesblitze, Ideen und Ausdrücke spontanen Irrsinns landen bei mir, wie alles andere, was mir so im Laufe des Tages begegnet, im Notizbuch.
    Abends setze ich mich dann hin und pflege es „in’s System“ ein.

    – Kontakte in das Adressbuch (Thunderbird)
    – längerfristige Aufgaben in die Aufgabenplanung (Thunderbird)
    – Ideen für Projekte, Artikel, Homepagebeiträge, usw in den „Ideengarten“ (Textdateien in einem besonderen Ordner)
    – Die ToDo-Liste für den nächsten Tag in das Notizbuch

    Das Notizbuch habe ich immer dabei. Ich vergesse schon mal mein Handy oder meine Geldbörse, aber nie mein Notizbuch…..

  5. @Martha, die immer gleich wiederkehrenden Geistesblitze kenne ich noch von meiner Magisterarbeit. Ein Trost war dabei: Meistens enthielt noch die zigste Iteration eines Gedankens ein neues Bausteinchen und wenn ich etwas wirklich „rund“ eingearbeitet hatte, hörte es auf, in meinen Gedanken herumzuspuken.
    Ich habe damals Citavi verwendet und damit sehr gute Erfahrungen gemacht – vor allem der Im- und Export von Word-Gliederungen, die Integration von Freemind und die Wissensmanagement-Funktionen haben mich begeistert. Letzendlich war aber auch mein Kopf nie hundert Prozent synchron mit welchem Wissensmanagementsystem auch immer – der Weisheit letzten Schluß habe ich da nie gefunden.

  6. Ich habe eine physische Ablage als Inbox. Der Rest wird digital verwaltet. Jeden Tag picke ich mir aus einer großen Liste ein paar Tätigkeiten heraus. Welche ich davon dann letztlich tue, hängt von meiner Stimmung und meinem Tagesverlauf ab.
    Ich benutze dazu aber keine spezielle Software, sondern einzelne Worddokumente.

  7. hey camilla.
    nur der kurze hinweis, dass gtdagenda.com eine einbeziehung von zielen (goals) bietet und diese auch nicht nur selbstzweck sind.