Wer bin ich, was kann ich und was will ich?
Ein paar Gedanken über meine berufliche Zukunft
Wenn ich so üblicherweise geforderte „Über mich“-Texte verfassen soll, gibt es zwei Extreme: entweder sie werden sehr lang oder so kurz, daß sie nichts sagen. Der hier vorliegende Text ist noch sehr lang, ich verdichte ihm im Lauf der Zeit immer weiter auf das, was ich für relevant halte. Das ‚Strickmuster‘ dafür habe ich aus einem Blogpost von Lars Weiler, den ich im Mai 2011 auf einem Barcamp kennengelernt habe, übernommen.
ich bin
- M.A. Germanistik/Musikwissenschaft. Ich habe an der Freien Universität Berlin Germanistik und Musikwissenschaft studiert.
- Generalistin. Ich habe von meiner Ausbildung her weniger bestimmtes Fachwissen gelernt als vielmehr Arbeitsweisen, die für weit mehr als die akademische Welt taugen; Arbeitsweisen, die mit dem Präsentieren von Information und unterschiedlichen Positionen zu tun haben, dem Einarbeiten in ein Wissensfeld, der Analyse von Texten und ihrer kulturellen Verortung. Ich bin darüber hinaus das, was Barbara Sher als Scanner beschreibt, will sagen, ich bin ausgesprochen generalistisch veranlagt und es gibt nicht die eine Sache, die mich leidenschaftlich interessiert, sondern eine ganze Menge, und ich entdecke immer wieder neue Dinge, die mich interessieren.
ich kann
- An und mit Texten arbeiten. Ich kann aus einem widerspenstigen Gedankenchaos einen Text machen, der sich gut liest, vorausgesetzt, die inhaltliche Substanz gibt es her. Aus einem Text in substantivistischem und unkonkretem „bloß keine Versprechungen“-Sprech kann ich einen Text in lebendigem, aktivem Deutsch machen. Vorausgesetzt natürlich, das ist gewollt. Wo das Wischiwaschi und das Unverbindliche Absicht ist, da ist nicht mein Platz.
- Lernen. Meine große Stärke als Generalistin. Ich kann mich in mir fremde Wissensgebiete sehr schnell einarbeiten: Noch vor einem Jahr konnte ich z.B. nicht mit vim umgehen, heute greife ich gerne dazu, um Blogposts damit zu schreiben. Wo ich nichts lernen, mir nichts aneignen kann, suche ich mir diese Herausforderungen schnell anderweitig.
- Wissen aufbereiten und präsentieren. Das macht mir Freude und ich würde gerne noch mehr darüber lernen. Ich habe eine Riesenfreude daran, z.B. bei Standup Presentations wie den Ubuntu Berlin Talkrunden Dinge vorzustellen, die mich begeistern und die mein Leben angenehmer machen. Ich mag es und es fällt mir leicht, Ideen zu visualisieren und anderen zu präsentieren.
- Internet, Social Media, Blogging. Ich bin 2001 „in den Topf gefallen“. Damals habe ich mir mit der Hilfe einer E-Mail-Bekanntschaft die ersten HTML-Tags angeeignet. Seitdem habe ich Freude daran, Internetseiten zu gestalten. Als ich 2008 begann, mit einem selbstgehosteten Wordpress zu bloggen, hat sich mein Gebrauch des Web zwar erst einmal vom Designen und Coden weg zum Schreiben verschoben, die Möglichkeiten und die Dynamik des Internets begeistern mich jedoch deswegen nicht weniger. Social Media von Twitter über Facebook und Google+ bis Diaspora* und identi.ca benutze ich täglich und gezielt.
- Sprachen. Englisch ist in meinem derzeitigen Betrieb Firmensprache, ich habe keine Probleme damit, mich auf englisch zu verständigen und verstehe englische Texte, Filme und Podcasts genauso gut wie deutschsprachige.
ich will
- Südwestdeuschland. Auch wenn ich nicht über so etwas wie Lokalpatriotismus verfüge: Mittel- bis langfristig - Zeithorizont: ab Mitte 2012 bis 2013 - möchte ich gerne südlich von Frankfurt am Main und westlich vom Schwarzwald leben.
- Flexible Arbeitszeit. Gleitzeit und Arbeitszeitkonten kommen meiner Veranlagung sehr entgegen.
- Ergebnisorientierung statt Anwesenheitskultur. Noch scheint es mir ja utopisch, aber: Eine Arbeitskultur, in der jemand, der in 37 Stunden wichtige Sachen voranbringt, mehr geschätzt wird als jemand, der 41 Stunden pro Woche körperlich anwesend ist, ist für mich wünschenswert. Dazu ist natürlich eine Kultur der Aufgabenformulierung und der Zielsetzung, die das Erreichte meßbar macht, nötig.
- Meßbare Leistung, faires Feedback. Ein Arbeitsplatz ohne Bewertungen, Zeiterfassung und Feedbackgespräche mag toll und locker klingen, läßt mich aber an einer zu langen Leine und letzlich im Leeren hängen, wo am Ende ein Gefühl entsteht, daß es keinen wirklich interessiert, was ich tue.
ich brauche
- Lernen und Kopf- und Wissensarbeit. Siehe oben.
- Sinn. Als ich nach dem Studium eine Stelle suchte, las ich teilweise Bewerberbroschüren von großen Firmen und fragte mich dabei: Wo kann ich in einen Laden gehen ein Produkt von diesem Unternehmen in die Hand nehmen? Welches Problem löst es? Wie macht es die Welt oder das Leben besser?
Dieser Sinn kann ohne weiteres eine kommerzielle Leistung sein: eine Software, die Menschen hilft, ihre Arbeit besser zu tun, eine Dienstleistung, die ein Team vom „Toll, Ein Anderer Macht's“-Alptraum zu einer Arbeitsgemeinschaft mit echter Synergie macht. Ich finde ihn jedoch nicht in Quartalszahlen und Boni.
- Ethik. Etwas, zu dem ich nicht vor aller Welt stehen kann, das ich nicht mit voller Überzeugung auch meinen besten Freunden empfehle, kann ich nicht als Inhalt meiner beruflichen Tätigkeit vertreten.
- Stille. Etwas, das ich bisher in jedem Büro vermißt habe. Wo ständig jemand hereinkommt, wo am Nebentisch Gespräche geführt werden, ständig Telefone klingeln, kann ich mich nicht konzentrieren.
- Ungestört sein. Wenn ich eine diffizile Aufgabe zu lösen habe, geht das am besten, wenn ich Zeit habe, in der ich konzentriert nur an dieser Aufgabe arbeiten kann - Zeit, in der ich Skype und andere Instant Messenger auf „do not disturb“ stelle, das Mailprogramm schließe, vielleicht sogar den Browser ausmache, die Telefone stumm stelle und die Tür zu mache.
- Strukturen. Gerade weil ich eher polychron veranlagt bin (d.h. ich habe einen Hang, mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen zu haben, und nehme Zeit mehr als kontinuierlichen Fluß denn als planbare Struktur wahr), brauche ich ein gewisses Maß an äußeren Strukturen. Die können - in einem gewissen Umfang - zeitlicher Natur sein, besser ist es aber noch, wenn sie inhaltlicher Art sind: Wenn ich verstehe, welches meine Rolle in einem Projekt ist, wenn es in diesem Projekt klare Prioritäten gibt und klare Verabredungen, wer wann was tut; wenn Aufgaben klar definiert sind und klar kommuniziert werden.
ich kann nicht
- Hirnlose Routinearbeit. Natürlich gibt es in jedem Job dröge Routinetätigkeit, aber die Erfahrung zeigt: Wenn ich nur solche Arbeit mache, geht meine Konzentration dabei schnell verloren und meine Leistungsfähigkeit sinkt auf einen Bruchteil dessen, was ich eigentlich könnte.
- Multitasking. Trotz meiner polychronen Veranlagung arbeite ich am besten, wenn ich mich auf jeweils eine einzelne Aufgabe konzentrieren kann. Multitasking führt mit schöner Regelmäßigkeit dazu, daß ich mich nach einer halben Stunde frage, ob ich an beginnender Demenz leide.
Ganz davon abgesehen haben die Kollegen von imgriff meines Erachtens recht, wenn sie immer wieder betonen, daß Multitasking nicht funktioniert.
ich will nicht
- Produkte verkaufen, von denen ich nicht hundertprozentig überzeugt bin. Ich habe im Studium lange genug versucht, Dinge zu verkaufen, bei denen ich den Eindruck hatte: Genauso gut könnte ich versuchen, arktischen Ureinwohnern Kühlschränke zu verkaufen. Ich habe es damals getan, weil ich keine andere Möglichkeit fand (ich studierte und brauchte das Geld). Und auch heute kann ich es nicht ausstehen, wenn das Gefühl aufkommt, daß ich jemanden übers Ohr haue.
ich brauche nicht
- Statussymbole. Schnieker Dienstwagen, stylishes Diensthandy, schicker Dienstlaptop sind keine Dinge, die mich dazu reizen würden, eine Stelle anzunehmen. Auch ein hippes oder repräsentatives Büro reizt mich nicht, wenn ich dort nicht gut arbeiten kann.
Zu meiner Motivation
Nach gut drei Jahren in einer kleinen SEO-Firma ist es mal Zeit, daß ich den nächsten Schritt mache. Heraus aus einer ziemlich spezialisierten Ecke von SEO, wo ich nicht den Eindruck habe, daß dort meine Fähigkeiten wirklich am richtigen Platz sind.
Ich habe außerdem nach mittlerweile 13 Jahren genug von Berlin. Als ich hergezogen bin, habe ich nicht gedacht, daß es jemals dazu kommt, aber damals war ich eben auch noch eine andere, Berlin war anders und meine Prioritäten haben sich verschoben. Nun habe ich Sehnsucht nach der ‚alten Heimat‘ Südwestdeutschland. Ich will wieder näher an meiner Familie und ein paar sehr lieben alten FreundInnen leben. Ich würde gerne wieder Hügel, wenn nicht sogar Berge am Horizont sehen (Berlin hat daran so einen eklatanten Mangel).
Das Finanzielle
Auch wenn Statussymbole keinen Reiz auf mich ausüben, will ich von meiner Arbeit gut leben können. Das heißt: Mit dem nächsten Umzug möchte ich gerne mal nicht darauf angewiesen sein, in der billigsten Wohnung, die ich finden kann, zu wohnen. Ich möchte mir ein Auto anschaffen können. Und ich möchte Rücklagen bilden.
Alles in allem: Ja, Geld ist auch wichtig. Bei allem Idealismus, den ich mitbringe, will ich doch meine Qualifikation in meinem Gehalt gespiegelt finden. Und wenn es variable Gehaltsbestandteile gibt, sollten die die Glasur auf dem Kuchen sein und nicht notwendig, damit ich im nächsten Quartal noch etwas im Kühlschrank habe. Außerdem möchte ich das Gefühl haben, daß ich tatsächlich einen Einfluß auf den Erfolg habe, der mit diesen Prämien vergolten wird. Für die Einzelheiten gilt dann, was gerne in Bewerbungsschreiben steht: Ich bin sicher, im persönlichen Gespräch finden wir eine Einigung.
Bereiche, in denen ich gerne arbeiten will
Grundsätzlich gilt: Wenn Sie den Eindruck haben, daß ich genau die passende Person bin, dann scheuen Sie sich nicht, mich anzuschreiben, auch wenn die Branche ein ganz anderes Etikett als das im Folgenden genannte trägt.
Da ich jedoch immer wieder gefragt werde, in welchen Bereichen ich arbeiten möchte, hier ein paar Stichworte:
- (Online)Redaktion
- PR
- Social Media
- OnlineMarketing
Das Organisatorische
Derzeit (23. November 2011) bin ich noch in ungekündigter Stellung in einem kleinen Berliner SEO-Unternehmen tätig. Sollte ich etwas Neues außerhalb Berlins antreten, wünsche ich mir zwei bis drei Monate Vorlauf. Mit entsprechender Unterstützung geht das eventuell kurzfristiger, daß ich jedoch nächste Woche schon in, sagen wir, Freiburg zur Arbeit kommen könnte, ist eher unrealistisch.
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