Ein Lob der Komfortzone

„Raus aus der Komfortzone“ ist ein Spruch, den ich gefühlt ständig in Blogs etc. gelesen habe, wenn es um persönliche Entwicklung und Karriere ging. Und er liegt mir quer, und zwar aus folgedem Grund:

Mit Unsicherheit umgehen können ist sicher eine wichtige Fähigkeit. Über sich hinauswachsen und die eigenen Grenzen erweitern kann mich weiterbringen. Wenn jedoch gar nichts mehr sicher scheint und das Leben nur noch auf Sand gebaut erscheint – dann, würde ich sagen, läuft was falsch.

Ich bin fest überzeugt: Die Komfortzone ist eine Lebensnotwendigkeit. „Ein Lob der Komfortzone“ weiterlesen

Sleep as Android: Besser schlafen mit Selftracking

Quantified Self war vor ein paar Jahren mal heißer Scheiß. Ich bin auf diesen Zug nicht so aufgesprungen: Alles und jedes zu monitoren ist mir schlicht zu anstrengend und gibt auch meiner Neigung zu Schuldgefühlen („Du hast schon wieder ein Stückchen Schokolade gegessen!“) viel zu viel Futter.

Irgendwann fiel mir aber doch auf: Ich will Feedback haben über bestimmte gesundheitliche Sachen. Namentlich über meinen Schlaf. Als Spättyp neige ich dazu, Schlafdefizit anzuhäufen; konstantes Feedback hält mich in dieser Hinsicht in der Spur. Ebenso wirkt es bei der Fitness (da verwende ich schon seit knapp zwei Jahren Runkeeper, was eine ausgesprochen motivierende Wirkung auf mich hat).

Darum habe ich ein, zwei Sleeptracking-Apps ausprobiert und bin schließlich bei Sleep as Android hängen geblieben. „Sleep as Android: Besser schlafen mit Selftracking“ weiterlesen

Das 240-Minuten-Freelancer-Manifest

Ich wühlte vor einigen Tagen auf meiner Festplatte, während ich meine Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand brachte. Da fand ich diese Übersetzung eines Textes, den einer meiner Berliner Freunde, Adrian Lang, einmal auf der Grundlage des mittlerweile leider nicht mehr online stehenden 501 Developer Manifesto (hier ein Link zur letzten bei archive.org verfügbaren Version) erstellt hat. Dies ist ein Text, in dem ich viel von einer Arbeitskultur finde, mit der ich glücklich sein könnte, denn: Ich lebe nicht für meine Erwerbsarbeit (so einiges, was ich unbezahlt tue, nimmt manchmal auch den Charakter von Arbeit an). Ich arbeite, um (gut) zu leben. Trotzdem möchte ich voll hinter meiner Arbeit stehen können und stolz auf sie sein können – egal, ob ich diese Arbeit als Festangestellte leiste oder als Freelancer.

Hier ist meine Übersetzung von Adrians Adaptation: „Das 240-Minuten-Freelancer-Manifest“ weiterlesen

Abrüstung an der Weckerfront

Ich beginne diesen Artikel mit einem Coming Out: Ich bin eine Eule! Das heißt nichts weiter, als daß ich, wenn ich mir freien Lauf lasse, später aufstehe, aber auch später schlafen gehe als der Durchschnitt der Bevölkerung. Es sagt nichts über meine Schlafdauer aus (die liegt, wenn ich kein Schlafdefizit abzubauen habe, um die acht Stunden) – also nichts mit „Langschläfer“.

Ich werde immer leicht unmutig, wenn frühes Aufstehen als erstrebenswerte Tugend hingestellt wird – das Ding an meiner Veranlagung ist nämlich nicht, daß ich so spät aufstehe, sondern daß ich abends noch einmal richtig munter werde und noch einmal ein richtiges Leistungshoch habe. Das verträgt sich naturgemäß schlecht mit dem frühen Schlafengehen, das mit dem frühen Aufstehen korrespondieren muß, damit kein Schlafdefizit entsteht. An der Quantität der Leistung, die ich (gut ausgeruht) bringe, und an der Zeit, die ich wach bin, ändert das gar nichts. Auch wenn Menschen, deren Leistungshoch am Morgen liegt, das seltsam beäugen – mein Leistungshoch liegt, wenn ich meinem eigenen Rhythmus folgen kann, ein gutes Stück später.

Mit Leichtigkeit früh aufstehen zu können, ist schlicht eine Veranlagung. Spätmenschen können sich daran zu einem gewissen Grad anpassen, aber für einen echten Spättypen ist diese Anpassung immer mit merklicher Disziplinierung und Anstrengung verbunden. Die Tendenz des eigenen Biorhythmus bleibt spürbar, und ich halte nichts davon, ein Anleben gegen die eigene Veranlagung zu glorifizieren.

Aber ich lebe nun mal in einer Gesellschaft, die auf Menschen ausgerichtet ist, die ohne Probleme zwischen sechs und sieben Uhr morgens aufstehen. Daraus ergibt sich: Ohne Wecker geht es nicht, und zur Snooze-Funktion habe ich eine intensive Haßliebe.

Zu eben dieser fragte jetzt Sabine Gysi von imgriff.com auf Facebook:

Mein ärgster Feind: Die Snooze-Taste. Sie beschert mir schon vor dem Einschlafen Albträume. Im Internet finden sich viele – teilweise brutale – Tipps, um die Snooze-Gewohnheit zu überwinden. Welches sind Eure Methoden?

Ich habe dazu einiges zu sagen, den ich hatte einmal die Großmeisterschaft im Snooze-Taste-drücken-und-Weiterschlafen. „Abrüstung an der Weckerfront“ weiterlesen

Die Grenzen des Produktivitätshackings

Ich habe ja jetzt schon eine ganze Weile mein Projekt „Zen to done revisited“ am Laufen. Und irgendwo hakt’s. Mittlerweile glaube ich, daß ich eigentlich sehr vieles davon schon gut umsetze und immerhin – ich verpeile wenig, ich werde den meisten meiner Pflichten gerecht, ich stoße nur an einige Grenzen, die mit dem besten Produktivitätssystem nicht zu bewältigen sind. Welche das sind, kann ich hier nicht konkret benennen.
Nach dem Klick habe ich ein paar Dinge aufgestellt, von denen ich glaube, daß sie gängige Produktivitätstechniken fruchtlos machen. „Die Grenzen des Produktivitätshackings“ weiterlesen

Gute Vorsätze für 2012

Ich bin ja sonst kein Mensch, der sich Neujahrsvorsätze nimmt. Allzu oft sind die ja Mitte Januar schon wieder ad acta gelegt und man ist zurück im alten Trott. Angeregt durch einen Beitrag meiner imgriff-Kollegin Corinne möchte ich trotzdem einmal aufschreiben, was ich dieses Jahr tun will, um mir gut zu tun. Es sind auch ein paar Vorsätze weniger als Corinnes…

Mehr Bewegung! Das ist im letzten Jahr sehr hinten runter gefallen. Und so langsam macht sich das im Rücken, im allgemeinen Fitnessgefühl und in der Paßform meiner Hosen bemerkbar. Dem will ich Abhilfe schaffen! Im Moment denke ich tatsächlich über das Thema Fitnessstudio nach. „Gute Vorsätze für 2012“ weiterlesen

Heute ist nicht mein Tag!

Es gibt solche Tage, da habe ich schon morgens das Gefühl: „Heute ist nicht mein Tag“. Vielleicht habe ich nicht so gut geschlafen, vielleicht fühle ich mich körperlich nicht so toll, oder aber es passiert mir ein kleines oder auch größeres Mißgeschick nach dem anderen – heute etwa habe ich meine Lieblingsjacke, die ich eigentlich ins Büro mitnehmen wollte, vergessen. Wie kann ich mit solchen Tagen umgehen? Mir hilft es vor allem, an solchen Tagen erst einmal das Gefühl von Druck loszuwerden und Konfusion und Hektik, die oft mit dem Gefühl der Katastrophe zusammenhängen, abzuschütteln. „Heute ist nicht mein Tag!“ weiterlesen

Manchmal überrasche ich mich selbst…

… zum Beispiel in puncto Sport. Da konnte ich mich heute morgen etwa zu einer gar nicht so kurzen Trainingseinheit aufraffen, wo ich vor einigen Monaten noch meinem Artikel über Sport schrieb, daß ich mich morgens damit nur quäle. Wegen der Schneeglätte war ich allerdings eher gemächlich unterwegs, aber hinterher habe ich sogar etwas Krafttraining und Stretching angehängt. So könnte ich direkt mal öfter den Tag anfangen.

So klappt’s auch mit dem Sport

„Sport treiben!“ steht in der Reihe der guten Vorsätze, die man zu Neujahr faßt und doch nicht umsetzt, oder auf der „Eigentlich sollte ich“-Liste oft weit vorne. Sicher ist regelmäßiger Sport vor allem eine Sache der Gewohnheit, und sich Gewohnheiten anzutrainieren, ist bekanntlich nicht leicht – aber machbar. Auch ich war früher keine Sportskanone, in der Schule war Sport eigentlich eher eine peinliche Quälerei für mich, erst im Erwachsenenalter habe ich meine Freude daran gefunden. Die folgenden Prinzipien haben mir dabei geholfen:

Motivation

  • Prioritäten setzen und Gleichgewicht herstellen: Wozu soll Sport gut sein? Wenn ich mir sage: „Ich sollte mal wieder mehr Sport machen“, dann ist eher nicht Leistungssport gemeint. Wenn ich aber weiß, daß ich Sport treibe, um mich dabei zu entspannen, meinen Kopf freizukriegen und vielleicht den beginnenden Rückenschmerzen vom vielen Sitzen entgegenzuwirken, kann ich mit den richtigen Erwartungen herangehen und reduziere die Wahrscheinlichkeit, daß ich bald enttäuscht wieder aufhöre.
  • Es muß nicht gleich der klassische Sportverein sein, aber eine Gruppe kann ungeheuer motivieren, hält einen bei der Stange, wenn man eigentlich nur noch gehen statt laufen möchte oder eigentlich heute keine Lust hat, zum Training zu gehen. Eine Gruppe motiviert mich, tatsächlich dabei zu bleiben, wenn ich weiß, daß die anderen sich auf mich freuen und mich vielleicht sogar fragen, was los war, wenn ich mal eine Woche nicht da war. In einer Gruppe kommt der Spaß manchmal, wenn ich trotz nicht so ausgeprägter Motivation auf der Matte stehe.
  • Ein regelmäßig wiederkehrender Termin integriert die Bewegung in den Wochenrhythmus. Sturheit zahlt sich aus: Auch wenn ich nach einem stressigen Bürotag eigentlich nur aufs Sofa sinken und eine dumme Serie im Fernsehen anschauen möchte, um das Hirn auszuschalten – wenn ich mir vorgenommen hatte, joggen zu gehen, dann tue ich das auch. Auf der anderen Seite lasse ich dabei gesunden Menschenverstand walten, wenn ich mich körperlich nicht wohl fühle.
  • Lieber mäßig und regelmäßig als selten, aber exzessiv. Dreimal pro Woche 20 Minuten bringen wesentlich eher etwas als alle zwei Wochen einmal zwei Stunden.
  • Ein Trainingstagebuch kann helfen, die eigenen Erfolge sichtbar zu machen und sich daran zu freuen, solange das Buchführen nicht zu einer lästigen Pflicht wird.
  • Halte die Erwartungen realistisch. Mit einer 45-Stunden-Woche ist es eher unwahrscheinlich, daß ich fünf Stunden Sport pro Woche treiben kann.
  • Finde Deinen besten Zeitpunkt im Tageslauf. Ich persönlich trainiere lieber abends, morgens direkt nach dem Aufstehen quäle ich mich beim Sport eher. Eine ausgesprochene ‚Lerche‘ mag das anders empfinden.
  • Ein beliebter Anfängerfehler bei Ausdauersportarten ist, viel zu schnell loszurennen und fünf Minuten später mit stechender Lunge zu beschließen: „Sport ist nichts für mich!“ Besser ist es, langsam und mit kurzen Trainingsdauern anzufangen, dafür oft zu trainieren und Dauer und Geschwindigkeit nach und nach zu steigern.
  • Finde deine Sportart. Wenn Du Dich mit Laufen nur quälst, ist vielleicht Rudern, Klettern oder T’ai Chi etwas für Dich. Ist Dir Kachelzählen zu langweilig, dann findest Du Dich beim Handball vielleicht auf einmal voller Freude verausgabt. Die Auswahl an Sportarten ist riesig – hast Du schon mal Futsal gespielt, Naginata ausprobiert oder dich im zeitgenössischen Ballett versucht?
  • Ich lege morgens (oder am Vorabend) meine Sachen bereit, damit ich sie gleich nach der Arbeit griffbereit habe, mich nur umzuziehen brauche und gleich loslegen kann. Die Versuchung, erst einmal mit einem Buch aufs Sofa zu sinken, ist so wesentlich geringer.
  • Eine Woche Couch Potato gewesen?  Mach Dir keine Vorwürfe, das ist kontraproduktiv. Fang einfach wieder an.
  • Last not least: Bewegung soll Freude machen und keine Selbstkasteiung sein.

Finanzielle Aspekte

  • Sport muß nicht teuer sein, und es muß nicht immer das Fitnesstudio sein. Natürlich ist eine Kampfkunstschule meist teurer als der örtliche Schwimmverein, aber viele Sportvereine kommen deutlich günstiger als Studios.
  • Am Anfang braucht man in vielen Disziplinen nicht viel; mit guter Ausrüstung macht Sport jedoch einfach mehr Spaß. In einem guten Schwimmanzug schwimme ich nicht nur schneller und besser, sondern auch lieber als in einem abgenutzten, minderwertigen, der sich wie ein Bremssegel verhält. Wer viel läuft, tut seinen Füßen und Gelenken mit guten Laufschuhen auf die Dauer einen Gefallen. Funktionskleidung macht das Training bei widrigem Wetter gleich etwas weniger unangenehm. Und Frauen möchte ich die Investition in einen guten Sport-BH sehr ans Herz legen. Mein Tip: Erst einmal probieren, ob die Sportart etwas für einen ist und nicht gleich Unmengen von Ausrüstung kaufen. Wenn man später dabei bleibt, kann man sich immer noch nach Herzenslust Ausrüstung zulegen.

Gerade am Anfang ist Unterricht oder ein Kurs in vielen Sportarten sehr hilfreich bis unabdingbar. Handelt es sich dabei um einen regelmäßigen Termin, hat man so ein wenig Starthilfe bei der Gewohnheitsbildung bzw. auch dabei, sich erst einmal an Sport zu gewöhnen. Auch bei scheinbar einfachen Sportarten wie Schwimmen möchte ich Unterricht zumindest für die Grundlagen wärmstens empfehlen: Mit einer guten Technik tut man seinem Körper nämlich einen echten Gefallen, ganz zu schweigen von den sportlichen Ergebnissen, die gleich viel motivierender sind.