Mehr Ich wagen.

Ich stoße immer wieder darauf, dass ich hier sehr wenig schreibe. Ein Grund: Es gibt so viel anderes, was gerade erledigt werden will. Die Dringlichkeiten, die mir von außen auferlegt werden, drängen das Bloggen in den Hintergrund. Ein anderer: Ich hatte das Gefühl, hier ein bestimmtes Bild aufrechterhalten zu müssen. Das hat letzten Endes das Schreiben hier ziemlich unattraktiv gemacht.

„Die Strafe dafür, eine Maske zu tragen, ist, dass man eine Maske tragen muss“, wird Oscar Wilde zugeschrieben – einer jener Autoren des fin de siècle, die ich heiß und innig liebe.

Ich bin unzufrieden damit, wie ich bisher versucht habe, mich im Beruf zu präsentieren. Meine berufliche Selbstpräsentation war weniger eine Maske als ein sehr unbequemes Kostüm, das ich nach Feierabend schnellstens abstreifte. Denn: es war zu wenig ich und zu sehr das, was ich glaubte, sein zu sollen, aber nicht war. Ich fühlte mich damit klein, grau, duckmäuserisch, ängstlich. Ich fühle mich damit rundherum unauthentisch. Wäre ich eine Schauspielerin, dann wäre ich eine katastrophale Fehlbesetzung für die Rolle, die ich die letzten 8 Jahre zu spielen versucht habe. Meine Darstellung würde in einem Film oder auf einer Bühne zu Recht als hölzern, gespreizt, unglaubwürdig und halbherzig kritisiert werden.

Vorstellungsgespräche sind wohl ohnehin ein Feld, auf dem eins sich von der besten Seite präsentieren will, aber sie sind zugleich die Situation, in der ich diese Tendenz am schärfsten sehe: immer abwägen, welche Seiten von mir ich zeigen darf, welches Bild von mir eine bestimmte Aussage oder Handlung transportiert, was zu stigmatisiert ist, um es überhaupt zu zeigen; was vielleicht too much information ist, und doch um die Brüche und Widersprüche nicht herumnavigieren können (ich bin sowieso eine schlechte Lügnerin), die sich ergeben, wenn ich versuche, das Stigmatisierte und nicht-Normgerechte wegzulassen und/oder so zurechtzubiegen, dass es in gängige, lineare Begriffe von Karriere passt. Überhaupt, wieviel bleibt von mir dann noch übrig?
Wie sehr dieses Gefühl auch meinen Arbeitsalltag in meinen bisherigen Angestelltenjobs geprägt hat und wie kräftezehrend das sein kann, wurde mir in den vergangenen Monaten in Gesprächen mit zwei Freund_innen klar, die etliche meiner Erfahrungen teilen. Und mir wurde klar: So will ich nicht weitermachen. „Mehr Ich wagen.“ weiterlesen

Ein Lob der Komfortzone

„Raus aus der Komfortzone“ ist ein Spruch, den ich gefühlt ständig in Blogs etc. gelesen habe, wenn es um persönliche Entwicklung und Karriere ging. Und er liegt mir quer, und zwar aus folgedem Grund:

Mit Unsicherheit umgehen können ist sicher eine wichtige Fähigkeit. Über sich hinauswachsen und die eigenen Grenzen erweitern kann mich weiterbringen. Wenn jedoch gar nichts mehr sicher scheint und das Leben nur noch auf Sand gebaut erscheint – dann, würde ich sagen, läuft was falsch.

Ich bin fest überzeugt: Die Komfortzone ist eine Lebensnotwendigkeit. „Ein Lob der Komfortzone“ weiterlesen

Sleep as Android: Besser schlafen mit Selftracking

Quantified Self war vor ein paar Jahren mal heißer Scheiß. Ich bin auf diesen Zug nicht so aufgesprungen: Alles und jedes zu monitoren ist mir schlicht zu anstrengend und gibt auch meiner Neigung zu Schuldgefühlen („Du hast schon wieder ein Stückchen Schokolade gegessen!“) viel zu viel Futter.

Irgendwann fiel mir aber doch auf: Ich will Feedback haben über bestimmte gesundheitliche Sachen. Namentlich über meinen Schlaf. Als Spättyp neige ich dazu, Schlafdefizit anzuhäufen; konstantes Feedback hält mich in dieser Hinsicht in der Spur. Ebenso wirkt es bei der Fitness (da verwende ich schon seit knapp zwei Jahren Runkeeper, was eine ausgesprochen motivierende Wirkung auf mich hat).

Darum habe ich ein, zwei Sleeptracking-Apps ausprobiert und bin schließlich bei Sleep as Android hängen geblieben. „Sleep as Android: Besser schlafen mit Selftracking“ weiterlesen

Stell dir vor, du bist plötzlich reich.

Jochen Mai von der Karrierebibel ruft zu einer Blogparade auf – mit der Frage: Was würden Sie mit einer Million Euro machen?.

Gute Frage. Und eine, zu der ich so viel zu sagen habe, daß ich dort nicht nur kommentieren wollte.

Ich lebe zur Zeit sehr sparsam und von ausgesprochen wenig Geld. Das war bisher eher der Normalzustand in meinem Erwachsenenleben als ein vorübergehender Zustand. Deshalb sind meine Wünsche wohl recht bescheiden und geprägt von dem, was ich als Mangel empfinde; Dinge, die möglicherweise für wohlhabende Menschen vollkommen selbstverständlich sind. Und ich habe eine Menge Wünsche, die alle mit Geld zu tun haben und sich allesamt mit wesentlich geringeren Summen realisieren ließen.
Wahrscheinlich stünde ich da und wäre erst einmal extrem unschlüssig, welche materielle Baustelle ich zuerst angehen soll.

Zuallererst würde ich eine fette Party schmeißen! OK, vielleicht eine mit der Familie und den engsten FreundInnen. Aber gefeiert werden müßte das, schließlich würde es einiges ändern.

Bis ich für mich sortiert habe, welche diese Wünsche für mich am wichtigsten sind, würde das Geld wohl irgendwo sicher – aber jederzeit verfügbar – angelegt. „Stell dir vor, du bist plötzlich reich.“ weiterlesen

Das 240-Minuten-Freelancer-Manifest

Ich wühlte vor einigen Tagen auf meiner Festplatte, während ich meine Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand brachte. Da fand ich diese Übersetzung eines Textes, den einer meiner Berliner Freunde, Adrian Lang, einmal auf der Grundlage des mittlerweile leider nicht mehr online stehenden 501 Developer Manifesto (hier ein Link zur letzten bei archive.org verfügbaren Version) erstellt hat. Dies ist ein Text, in dem ich viel von einer Arbeitskultur finde, mit der ich glücklich sein könnte, denn: Ich lebe nicht für meine Erwerbsarbeit (so einiges, was ich unbezahlt tue, nimmt manchmal auch den Charakter von Arbeit an). Ich arbeite, um (gut) zu leben. Trotzdem möchte ich voll hinter meiner Arbeit stehen können und stolz auf sie sein können – egal, ob ich diese Arbeit als Festangestellte leiste oder als Freelancer.

Hier ist meine Übersetzung von Adrians Adaptation: „Das 240-Minuten-Freelancer-Manifest“ weiterlesen

Abrüstung an der Weckerfront

Ich beginne diesen Artikel mit einem Coming Out: Ich bin eine Eule! Das heißt nichts weiter, als daß ich, wenn ich mir freien Lauf lasse, später aufstehe, aber auch später schlafen gehe als der Durchschnitt der Bevölkerung. Es sagt nichts über meine Schlafdauer aus (die liegt, wenn ich kein Schlafdefizit abzubauen habe, um die acht Stunden) – also nichts mit „Langschläfer“.

Ich werde immer leicht unmutig, wenn frühes Aufstehen als erstrebenswerte Tugend hingestellt wird – das Ding an meiner Veranlagung ist nämlich nicht, daß ich so spät aufstehe, sondern daß ich abends noch einmal richtig munter werde und noch einmal ein richtiges Leistungshoch habe. Das verträgt sich naturgemäß schlecht mit dem frühen Schlafengehen, das mit dem frühen Aufstehen korrespondieren muß, damit kein Schlafdefizit entsteht. An der Quantität der Leistung, die ich (gut ausgeruht) bringe, und an der Zeit, die ich wach bin, ändert das gar nichts. Auch wenn Menschen, deren Leistungshoch am Morgen liegt, das seltsam beäugen – mein Leistungshoch liegt, wenn ich meinem eigenen Rhythmus folgen kann, ein gutes Stück später.

Mit Leichtigkeit früh aufstehen zu können, ist schlicht eine Veranlagung. Spätmenschen können sich daran zu einem gewissen Grad anpassen, aber für einen echten Spättypen ist diese Anpassung immer mit merklicher Disziplinierung und Anstrengung verbunden. Die Tendenz des eigenen Biorhythmus bleibt spürbar, und ich halte nichts davon, ein Anleben gegen die eigene Veranlagung zu glorifizieren.

Aber ich lebe nun mal in einer Gesellschaft, die auf Menschen ausgerichtet ist, die ohne Probleme zwischen sechs und sieben Uhr morgens aufstehen. Daraus ergibt sich: Ohne Wecker geht es nicht, und zur Snooze-Funktion habe ich eine intensive Haßliebe.

Zu eben dieser fragte jetzt Sabine Gysi von imgriff.com auf Facebook:

Mein ärgster Feind: Die Snooze-Taste. Sie beschert mir schon vor dem Einschlafen Albträume. Im Internet finden sich viele – teilweise brutale – Tipps, um die Snooze-Gewohnheit zu überwinden. Welches sind Eure Methoden?

Ich habe dazu einiges zu sagen, den ich hatte einmal die Großmeisterschaft im Snooze-Taste-drücken-und-Weiterschlafen. „Abrüstung an der Weckerfront“ weiterlesen

Die Grenzen des Produktivitätshackings

Ich habe ja jetzt schon eine ganze Weile mein Projekt „Zen to done revisited“ am Laufen. Und irgendwo hakt’s. Mittlerweile glaube ich, daß ich eigentlich sehr vieles davon schon gut umsetze und immerhin – ich verpeile wenig, ich werde den meisten meiner Pflichten gerecht, ich stoße nur an einige Grenzen, die mit dem besten Produktivitätssystem nicht zu bewältigen sind. Welche das sind, kann ich hier nicht konkret benennen.
Nach dem Klick habe ich ein paar Dinge aufgestellt, von denen ich glaube, daß sie gängige Produktivitätstechniken fruchtlos machen. „Die Grenzen des Produktivitätshackings“ weiterlesen

Gute Vorsätze für 2012

Ich bin ja sonst kein Mensch, der sich Neujahrsvorsätze nimmt. Allzu oft sind die ja Mitte Januar schon wieder ad acta gelegt und man ist zurück im alten Trott. Angeregt durch einen Beitrag meiner imgriff-Kollegin Corinne möchte ich trotzdem einmal aufschreiben, was ich dieses Jahr tun will, um mir gut zu tun. Es sind auch ein paar Vorsätze weniger als Corinnes…

Mehr Bewegung! Das ist im letzten Jahr sehr hinten runter gefallen. Und so langsam macht sich das im Rücken, im allgemeinen Fitnessgefühl und in der Paßform meiner Hosen bemerkbar. Dem will ich Abhilfe schaffen! Im Moment denke ich tatsächlich über das Thema Fitnessstudio nach. „Gute Vorsätze für 2012“ weiterlesen

Wie mein Morgen beginnt

Meine Abendroutine habe ich ja schon einmal genau geschildert. Jetzt fragt das die Firma audena in einer Blogparade nach den Aufsteh-Routinen von Bloggern. Es gibt dabei auch etwas zu gewinnen, nämlich ein Massivholzbett, und bis zum 7. September kann man noch mitmachen.

So gegen 8:30 klingelt in der Regel mein Wecker. Ich trinke direkt nach dem Aufwachen ein Glas Wasser, noch im Bett liegend gehe ich im Kopf den Tag durch: Wo werde ich hingehen? Was außer Routinearbeiten werde ich tun? Worauf freue ich mich? Nach dem zweiten oder dritten Druck auf den Snooze-Button (den ich so lange noch laufen lasse, damit ich nicht wieder einschlafe, während ich mir meinen Tag ausmale) stehe ich dann auf und koche mir einen Kaffee. „Wie mein Morgen beginnt“ weiterlesen

Heute ist nicht mein Tag!

Es gibt solche Tage, da habe ich schon morgens das Gefühl: „Heute ist nicht mein Tag“. Vielleicht habe ich nicht so gut geschlafen, vielleicht fühle ich mich körperlich nicht so toll, oder aber es passiert mir ein kleines oder auch größeres Mißgeschick nach dem anderen – heute etwa habe ich meine Lieblingsjacke, die ich eigentlich ins Büro mitnehmen wollte, vergessen. Wie kann ich mit solchen Tagen umgehen? Mir hilft es vor allem, an solchen Tagen erst einmal das Gefühl von Druck loszuwerden und Konfusion und Hektik, die oft mit dem Gefühl der Katastrophe zusammenhängen, abzuschütteln. „Heute ist nicht mein Tag!“ weiterlesen