Selber machen oder machen lassen? Ein paar Überlegungen.

Es gibt Zeiten, in denen man einfach nicht dazu kommt, Dinge wie Hausarbeit oder Papierkram zu erledigen, etwa: Wenn man gerade im Job viel zu tun hat, wenn man sich gerade in einem neuen Betrieb einarbeitet – oder auch, wenn man gerade am Studienabschluß sitzt. Zum Glück kann man mit dem nötigen Kleingeld heute sehr vieles von anderen erledigen lassen; Kathrin Passig und Sascha Lobo bringen in „Dinge geregelt kriegen…“ ein ganzes Kapitel über Outsourcing1 unter. Vom Steuerberater über die Wohnungsrenovierung bis zum Hund gassi führen gibt es kaum etwas, das heute nicht jemand anderes machen kann. Ich selbst neige immer noch dazu, „das bißchen Haushalt“ (und „das bißchen privaten Papierkram“) zu unterschätzen und alles selbst machen zu wollen, mit dem Resultat, daß meine Wohnung nicht als Musterbeispiel für einen aufgeräumten, sauberen Ort herhalten kann. Schließlich habe ich von zuhause als Maxime mitgenommen, daß selbst zu machen ist, was ich selbst tun kann – das ist dann auch die Garantie dafür, daß es getan wird, wie ich es mir vorstelle. Das ist nicht immer die beste Maxime. Vernünftig betrachtet, gibt es durchaus ein paar Fälle, in denen ich Dienstleistungen in Anspruch nehmen würde: etwa, wenn ich in die Verlegenheit komme, eine Fachübersetzung eines juristischen Textes zu benötigen; generell immer, wenn ein Fehler mir sehr großen Ärger bringen kann und ich weiß, daß andere dieses Fachgebiet Daß man sprachliche Dienstleistungen nicht unterschätzen sollte, betone ich ja immer wieder. Ist es z.B. schon schwer genug, aus einem deutschen Arbeitszeugnis schlau zu werden, so sieht das bei Zeugnissen in Fremdsprachen noch ein Stück diffiziler aus. Und komme ich hier auf meinem Blog mit automatischen Helfern und „eine Nacht drüber schlafen“ zu lesbaren Texten, so bin ich froh, daß bei imgriff.com ein erfahrener Redakteur darüberschaut, bevor sie online gehen. Was könnte ich als Maximen für die Entscheidung „selbst machen oder ‚outsourcen‘?“ zusammenfassen? Wie entscheide ich, ob es sich lohnt, eine Sache in andere Hände zu geben?

Ich würde Profis beauftragen,

  • wenn eine professionelle Leistung eventuell auch noch einen Nutzen bringt
  • natürlich, wenn es um juristische Dinge geht
  • wenn die Ersparnis an Zeit und Nerven mir wert ist, Geld dafür auszugeben
  • wenn ein krasses Mißverhältnis zwischen eingesetzter Zeit zum Lernen und Ergebnis abzusehen ist.

Es gibt natürlich auch ein paar Situationen, in denen Selbermachen die bessere Wahl ist:

  • Es ist einfach kein Geld da, um die Dienstleistung zu bezahlen, bzw. ich kann auch nichts im Tausch anbieten.
  • Ich bin mir sicher, daß ich es schnell und leicht selbst tun bzw. lernen kann.
  • Einen Profi zu engagieren, bringt mir keinen nennenswerten Gewinn in Form von Zeit, Nervenschonung oder Geld.

Ich persönlich neige immer noch dazu, Dinge im Zweifelsfall selbst zu erledigen. Mit der nächsten Gehaltserhöhung sollte ich mir dann vielleicht doch einmal Gedanken um einen Steuerberater machen.

  1. Kathrin Passig und Sascha Lobo, Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin, 1. Aufl. (rowohlt Berlin, 2008), S. 212-225

Eine Antwort auf „Selber machen oder machen lassen? Ein paar Überlegungen.“

  1. Als kleiner selbständiger Handwerker habe ich auch lange gedacht, daß es besser, billiger und einfacher ist, Sachen selber zu erledigen.

    Inzwischen habe ich gelernt.

    1. Steuerberater – unverzichtbar. Mir tut immer noch jeder Euro – und es sind nicht wenige – weh, die der Mensch kostet. Aber er hält mir dafür eine Menge Ärger vom leib. Leider gilt bei Steuern und generell beim Umgang mit Ämtern „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“ Einmal reicht mir da….

    2. Graphik und Design – erledigt inzwischen eine sehr gute Bekannte für mich. Sie macht es nicht für lau, aber zu einem guten Preis. Der ganze Themenkreis gehört zu den Dingen mit denen ich mich sowieso nicht gerne befasse und so ist es mir das Geld wert. Davon abgesehen kann sie es einfach viel schneller erledigen und hat die nötigen Connections, um auch mal was vorgestern erledigt zu bekommen.

    3. Rechtsanwalt – Aus gegebenem Anlass habe ich mir einen Advokaten gesucht. Ist teuer, aber verhindert zuverlässig, daß ich meinem „Rechtsempfinden“ die Zügel schießen lassen und mich in die Nesseln setze.

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