Rechtschreibung online: ein paar Anmerkungen.

Letztens war ich dicht davor, einem meiner Twitter-Followees Lektoratsdienste anzubieten, weil ein Text, den er veröffentlicht hatte, mir einmal mehr vor Augen führte, daß eine Sache in Blogs oft ganz entschieden vernachlässigt wird: Rechtschreibung. Da lese ich manchmal Texte, die vielleicht inhaltlich interessant und geistreich sein mögen, die ich aber trotz des guten Inhalts nicht lesen mag – einfach, weil sie von Rechtschreibung und Grammatik her so schludrig verfaßt sind und so viele und grobe Fehler aufweisen, daß es kein Germanistikstudium braucht, damit sich einem die Zehennägel hochrollen.

Ein Beispiel, das mir ein Kollege einmal zuschanzte:

„Nicht nur das Domains Angeboten wurden die man gar nicht besitzt, was meines wissen nicht Rechtens ist sondern man Entschuldigte sich schon mal für Serverausfällle wegen dem Ansturm.“ 1

(Ich halte meine LeserInnen für gebildet genug, selbst zu erkennen, was in diesem Satz alles nicht stimmt. Ganz davon abgesehen, daß es „wegen des Ansturms“ heißen sollte.)

Am häufigsten werde ich mit den folgenden Fehlern konfrontiert:

  • Groß- und Kleinschreibung: es werden gerne einmal Adjektive, Verben, Personalpronomina groß geschrieben
  • phonetisch falsche Schreibung: „ecklig“ statt „eklig“, „Hacken“ statt „Haken“
  • Deppenleerzeichen
  • falsch oder nicht gesetzte Satzzeichen, insbesondere Kommata
  • Verwechslung zwischen das und daß bzw. dass

Warum sollte man sich überhaupt die Mühe machen, auf eine gute Rechtschreibung zu achten?

  1. Verständlichkeit. Ein orthographisch korrekter Text mit korrekt gesetzten Satzzeichen ist wesentlich leichter verständlich. Das geht bei mir im negativen Extrem so weit, daß ich bei orthographisch miesen Texten die Lust zum Lesen sehr schnell verliere. Korrekt geschriebene Worte erkenne ich sofort wieder, und wo mir Satzzeichen anzeigen, wo ein neuer Satzteil beginnt, muß ich nicht wie bei lateinischen Hexametern erst einmal sortieren, welche Worte jetzt zusammengehören. Der Sinn geht mir so wesentlich schneller auf, und ich kann meine geistige Kapazität auf den Inhalt richten, statt mich mit dem Verständnis des Textes abzuplagen.
  2. Professionalität. Klingt arrogant, aber: Ich neige dazu – und kämpfe tapfer dagegen an – , Menschen, die sich, obwohl sie Deutsch als Muttersprache schreiben, nicht die Mühe geben, einen Text korrekt zu schreiben, für dumm zu halten. Wenn ich Geschäftstexte mit Deppenleerzeichen, fehlenden oder falsch gesetzten Kommata, Groß- und Kleinschreibfehlern lese, hinterläßt das bei mir einen unprofessionellen Eindruck.

Wie kann man Abhilfe schaffen?

  • Das Minimalprogramm heißt sicherlich: Rechtschreibprüfung (ob die von Word, ein Browser-Plugin – die Unterschiede sind m.E. graduell, machen einen aber auf einige grobe Schnitzer aufmerksam). Rechtschreibkorrektur kann zwar falsch geschriebene Worte erkennen, aber nicht das falsche Wort am falschen Platz.
  • Grammatische Bewußtheit. Wer weiß, was ein Hauptsatz oder ein Relativsatz ist, weiß auch viel eher, wo ein Komma hingehört und wo nicht.
  • Lesen bildet: dann und wann einen Klassiker der deutschen Literatur zu lesen, gibt einem gute Vorbilder. Ich habe meine sichere Rechtschreibung (aber auch meine Sensibilität dafür) vor allem dadurch, daß ich von der ersten Klasse an viel gelesen habe.
  • Gewohnheitsbildung: Ordentliche Rechtschreibung geht einem in Fleisch und Blut über, wenn man Rechtschreibfehler sofort korrigiert, wenn man sie bemerkt. Am besten immer, d.h. auch im Chat und in Foren. Genauso hilfreich ist die Gewohnheit, einen geschriebenen Text noch einmal auf Rechtschreibfehler durchzusehen.
  • Ein guter Text braucht Zeit und Gelassenheit. Ihn ein paar Stunden oder sogar Tage liegen zu lassen, wirkt mitunter Wunder.
  • Vier Augen sehen mehr als zwei. Bei wirklich wichtigen Dingen lohnt sich vielleicht sogar professionelles Lektorat.

Auch wenn meines Erachtens die neue Rechtschreibung viel Porzellan zerschlagen hat und mitnichten die Rechtschreibung logischer und einfacher gemacht hat, folgt die deutsche Rechtschreibung und Zeichensetzung immer noch Regeln. Sich ein wenig mit ihnen zu beschäftigen, tut nicht weh und lohnt sich. In diesem Sinne plädiere ich für Sorgfalt und Qualitätsbewußtsein statt hektischer Contentproduktion.

  1. hier gefunden am 26.03.2010

5 Antworten auf „Rechtschreibung online: ein paar Anmerkungen.“

  1. Hi Camilla,

    eine kleine Anmerkung zu folgendem Punkt muss erlaubt sein: „Verwechslung zwischen das und daß bzw. dass“

    Daß gibt es in der neuen Rechtschreibung nicht mehr.

    Zitat: einfach, weil sie von Rechtschreibung und Grammatik her so schludrig verfaßt sind und so viele und grobe Fehler aufweisen, daß es kein Germanistikstudium braucht, damit sich einem die Zehennägel hochrollen. Zitat Ende

    Im Normalfall würde so einen Fehler nicht kritisieren, aber wer die Rechtschreibung anderer bemängelt, sollte sie selber zumindest beherrschen.

    LG Lilia

  2. Hallo Lilia!

    Zwei Punkte. Erstens, zur Klärung: Ich meine die Differenzierung: „das“ auf der einen und auf der anderen „dass/daß“. Die ist nach wie vor gültig!

    Zweitens: Alte vs. neue Rechtschreibung. Ja, auch nach der offiziellen „Ungültig-Erklärung“ der alten Rechtschreibung – die so verbindlich gar nicht ist: meines Wissens ist die alte Rechtschreibung nicht falsch und die neue Rechtschreibung nur für Schulen und offizielle Stellen zwingend – sagten Germanistikprofessoren zu mir, daß sie die alte Schreibung bevorzugen, aber ihre Studenten nur bitten, eine Rechtschreibung konsequent zu befolgen. Von einer großen Zeitung weiß ich, daß sie mittlerweile zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt sind.

    Wo ich die Wahl habe, werde ich weiter nach der alten Schreibung schreiben und mich in guter Gesellschaft wissen. Aber alte oder neue Rechtschreibung: bei so einigem, was ich im Netz lese, wäre ich froh, wenn das Bemühen um halbwegs korrekte Schreibung lesbar wäre.

  3. Hallo Arthur, was Du meinst, ist wahrscheinlich ein Gedankenstrich. Der hat von der Groß- und Kleinschreibung her dieselbe Wirkung wie ein Semikolon (Strichpunkt), nämlich: Es wird danach klein geschrieben. Denn auch der Gedankenstrich unterteilt einen Satz nur, grenzt z.B. einen Einschub ab oder grenzt Satzteile voneinander ab. Lediglich nach einem Punkt und (meines Wissens), wenn ein vollständiger (Subjekt, Prädikat, Objekt) (Haupt-)Satz folgt, nach einem Doppelpunkt, wird der Anfang des nächsten Satzes groß geschrieben.

    Als Bindestrich hingegen wird der Strich bezeichnet, der bei der Silbentrennung von Worten zwei zusammengehörige Wortteile verbindet. Einfaches Unterscheidungsmerkmal: Vor und nach einem Gedankenstrich steht ein Leerzeichen – Bindestriche werden ohne Leerzeichen gesetzt.

  4. Hab hier extra nochmal reingeguckt um Ihre Antwort zu lesen.

    Ja, ich meinte den Gedankenstrich – Name ist mir kurz entfallen. Vielen Dank für die Aufklärung, Sie hatten recht.

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